Martin von Bestenbostel

Raum & Widerstand – Heterotopologische Betrachtung von räumlichen Praktiken des Widerstands

Im Übergang zum Postfordismus entwickeln sich in der Bundesrepublik politische Bewegungen, die sich grundsätzlich von den Arbeiter_innenbewegungen vor dem Nationalsozialismus unterscheiden: die Neuen Sozialen Bewegungen. Mit ihnen bilden sich sowohl neue Protest- und Widerstandspraktiken heraus, als auch neue politische Formationen. Eine besondere Position nimmt in diesem Zusammenhang die Hausbesetzer_innenbewegung ein. Als heterogenes Ensemble, deren Gemeinsamkeit in einer unterschiedlich radikalen Form räumlicher Aneignungs- und Widerstandspraktiken zu suchen ist, unterscheidet sie sich durch die Identifikation mit und durch die Praxis von anderen sozialen Bewegungen hinsichtlich ihrer Definition. Ausgehend von dem Foucaultschen Konzept der Heterotopologie soll die Hausbesetzer_innenbewegung deshalb zur exemplarischen Annäherung dienen. Das besetzte Haus als heterotopen Ort aufzufassen ermöglicht dabei die Ambivalenz von Widerstandspraktiken zu verdeutlichen. Auf der einen Seite steht die Praktik der Besetzung in einer antagonistischen Beziehung zu den hegemonialen Verhältnissen und bietet einen Raum für die gelebte Utopie. Auf der anderen Seite wird sie durch die Institutionalisierung zum Instrument der Normalisierung, in dem von der Norm Abweichendem ein lokalisierbarer Ort zugewiesen wird.