Corinna Dengler

Feministische Perspektiven auf eine Postwachstumsgesellschaft

Der angedachte Beitrag beschäftigt sich – in Anlehnung an meine Dissertation – an das Zusammendenken von Ökologischer Ökonomie und Feministischer Ökonomie, von Postwachstum und Care. Konkret wird der Frage nachgegangen, wie Arbeit in einer Postwachstumsgesellschaft gestaltet werden kann, wenn ‚Care‘ konsequent mitgedacht wird. Die Forschungsfrage „Wie lassen sich der Postwachstumsansatz und feministische Perspektiven auf Care im Hinblick auf die gesellschaftliche Gestaltung und Bewertung von Arbeit vereinen?“ ist darauf ausgelegt, Synergien zwischen den beiden Debatten herauszuarbeiten. Zunächst wird diskutiert wie der Postwachstumsansatz und auf Care fokussierte Strömungen der feministischen Ökonomie mit unterschiedlichen analytischen Ausgangspunkten zum selben Ergebnis, nämlich einer (manchmal impliziten) Wachstumskritik, kommen: Während der Postwachstumsdiskurs die ökologische Unhaltbarkeit der westlichen, imperialen Lebensweise voraussetzt, kritisiert die feministische Ökonomie die ungerechte Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern, die, wie ich in meiner Dissertation argumentiere, in einem Wachstumsparadigma schwer zu überwinden ist. Während die Postwachstumsperspektive die Erkenntnisse der feministischen Ökonomie konzeptionell zwar mitdenkt, sind konkrete politische Forderungen der Postwachstumsbefürworter*innen oft geschlechterblind. Ich argumentiere, dass sich durch konsequentes Zusammendenken beider Ansätze Arbeit unter Postwachstumsbedingungen sehr wohl geschlechtergerecht gestalten lässt. Arbeitszeitverkürzung und das bedingungslose Grundeinkommen werden als zwei konkrete politische Forderungen diskutiert, in welchen die feministische Perspektive stärker eingebunden werden muss, um eine Postwachstumsgesellschaft zu etablieren, die ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird.