Leif Mönter

Weltverbesserung durch Konsum? Konsumentenmacht, Fair Trade & Co.

Ganz gleich ob es um Regenwaldabholzung für Palmöl, die Ausbeutung in Textilfabriken, den Verlust von alten Obstsorten, den Klimawandel oder den Hunger auf der Welt geht – als verantwortlicher Verursacher all dieser Missstände gilt gemeinhin „der Mensch“ als Konsument. An sich, so die Behauptung in der öffentlichen Diskussion, den politischen Parolen und dem geographischen Schulbuch, stünde es in der heutigen Konsumgesellschaft jedem offen, seinen Beitrag zu Verbesserung der Welt zu leisten – durch Bio, Fair Trade & Co. Und wenn die erwünschten Effekte dann wieder einmal ausbleiben, ein weiterer Lebensmittel-“Skandal“ bekannt wird oder die nächste Textilfabrik Arbeiter*innen unter sich begräbt, dann schlägt das Urteil gerne in ein Konsumentenbashing um: „der Mensch“ mit seiner „Geiz ist geil“-Mentalität ist halt so. Besserverdienende und aufgeklärte Konsument*innen haben dann auch kein Problem damit, in den Lidl- und Kik-Kund*innen die Ursache für das Elend in der modernen Welt zu entdecken.

In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche Macht und Verantwortung Konsument*innen denn überhaupt haben – und welche Rolle sie in der politischen Ökonomie einnehmen. Denn Verantwortung setzt in jedem Fall die Annahme einer Handlungsfreiheit und eines wirksamen Einflusses des Handelnden auf das Handlungsergebnis voraus. Ist diese Handlungsfreiheit gegeben? Oder handelt es sich bei der „Konsumentenmacht“ eher um eine moderne Form der ‚selbstverschuldeten Unmündigkeit‘, die tatsächliche Verantwortlichkeiten aus dem Blick nimmt?

Dabei wird auch auf den globalen Handel Bezug genommen. Denn wer über Fairen Handel nachdenkt, kommt nicht umhin, sich den Handel, wie er existiert, vorzunehmen. Insbesondere anhand der Einbindung der sogenannten „Entwicklungsländer“ in den globalen Handel wird der Frage nachgegangen, ob es nicht heißt, den Bock zum Gärtner zu machen, wenn der (alternative) Handel als Instrument der Weltverbesserung in den Blick gerät. Und schließlich soll diskutiert werden, warum der Gedanke, „wir alle als Konsumenten haben es doch in der Hand“ heutzutage so gerne in politischen Reden und geographischen Unterrichtsmaterialien verbreitet wird.