Sebastian Seidel

Welche Grenzen Europas? – Kritische Reflexion über das visuelle und sprachliche Ziehen von räumlichen Grenzen

Mediale Darstellungen und Bildungseinrichtungen (besonders auch im Geographieunterricht) formen und verfestigen durch die Visualisierung und Thematisierung von Grenzen räumliche Ordnungs- und Orientierungssysteme. Dabei verdeckt die zweidimensionale Darstellung von Grenzen, visuell als Linie auf einer Karte oder sprachlich als statisch-feststehendes Substantiv, sowohl die historische Relativität aktueller Grenzverläufe, als auch die komplexen Prozesse dieser Grenzziehungen und ihre Folgen. Grenzen schließen nicht nur ein, sondern auch aus. Sie definieren das „Eigene“ und das „Fremde“. Die Gestaltungen von Grenzen sowie ihre Verläufe entstehen in vielfältigen gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen. Die wissenschaftliche Diskussion versteht, besonders im englischsprachigen Raum, Grenzen heute prozesshaft als Verb im Sinne von (ein-, ab-, aus-) grenzen oder anders ausgedrückt: Grenzen ziehen. Dies findet jedoch keinen Eingang in aktuelle Darstellungen und Thematisierungen in Schulbüchern oder Tageszeitungen. Hierfür scheinen zwei Hauptmotive verantwortlich zu sein: Erstens, die Intention Machtverhältnisse, Territorial- und Ressourcenansprüche zu etablieren. Sowie damit verbunden, zweitens, Identität durch die Definition des „Eigenen“ und des „Fremden“ zu schaffen.

Am Beispiel des Grenzens Europas widmet sich diese Workshop-Session der kritischen Reflexion über die Visualisierung und Thematisierung von Grenzziehungen. Die Session besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil bietet einen thematischen Input mit anschließender Diskussion (ca. 30 Min.). Im zweiten Abschnitt folgt eine gemeinsame Arbeitsphase (ca. 60 Min) in der wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen werden:

Wie kann das Ziehen von Grenzen in seiner Komplexität visualisiert und/oder thematisiert werden?

Welche Darstellungen von Grenzziehungen eignen sich, um deutlich zu machen, dass jede Grenze keineswegs neutral, sondern stets mit einer geopolitischen Dimension verbunden ist?

Welche Mittel, Methoden und Ansätze bietet die Kritische Geographie zur Auseinandersetzung mit Grenzziehungen an?